Segelohren anlegen mittels operativer Eingriffe

Abstehende Ohren sind für viele Betroffene ein Stigma, das gerade bei Kindern oft zu Hänseleien und Spott führt. Auch bei Erwachsenen führen Segelohren oftmals lebenslang zu Komplexen und Schamgefühlen.

Zur Korrektur von abstehenden Ohren gibt es drei chirurgische Grundtechniken: die Nahttechnik, die Schnitt-Nahttechnik und die Ritztechnik. Diese Operationsmethoden wurden unabhängig voneinander entwickelt und werden heute häufig kombiniert. Bei der Nahttechnik wird der Ohrknorpel nach Freilegung der Ohrmuschelrückfläche durch Fadenzug in eine flachere Position gebracht. Auch bei der kombinierten Schnitt-Naht-Technik wird von der Rückseite der Ohrmuschel operiert. Hier wird durch bestimmte Schnittführungen die Knorpelstruktur geschwächt, sodass die Formgebung erleichtert ist. Knorpel hat die besondere Eigenschaft, dass er seine Form auch ohne Naht durch eine oberflächliche und einseitige Ritzung verändern kann. Diese besondere Eigenschaft des Knorpels wird bei der Ritztechnik genutzt. Durch Ritzschnitte an der Vorderfläche des Ohrknorpels wird dem Ohr dann eine neue Form gegeben.

Die Art der Fehlbildung entscheidet über die jeweilige Operationstechnik, die bei der Korrektur angewendet wird. Eine hypoplastische Fehlbildung ist die häufigste Ursache für abstehende Ohren. Dabei ist die Anthelixfalte gar nicht oder nicht ausreichend angelegt. Durch die genannten Operationstechniken kann diese Falte rekonstruiert werden. Dieser Eingriff wird unter Medizinern auch als Anthelixplastik bezeichnet. Nach der hypoplastischen Fehlbildung ist die hyperplastische Fehlbildung die zweithäufigste Ursache für Segelohren. Dabei besteht in den gehörgangsnahen Anteilen der Ohrmuschel ein Knorpelüberschuss. Behoben wird dieses Problem mit Hilfe von Knorpelresektionen und Nahttechniken. Dieser Eingriff wird auch als Ohrmuschelrotationsplastik bezeichnet.

Diverse technische Ergänzungen der letzten Jahre erleichtern die operativen Eingriffe. Präparierte Faszienlappen werden hinter dem Ohr zur Sicherung der Nähte verwendet. Bei der Bearbeitung des Knorpels werden Endoskope verwendet. Bei Kindern wird die Operation in aller Regel in Allgemeinnarkose durchgeführt, bei Erwachsenen beschränkt man sich dagegen häufig auf eine lokale Betäubung. Auswirkungen auf das Hörvermögen hat der operative Eingriff bei einer korrekten Durchführung nicht. Ist der Eingriff durchgeführt, ist das ein- bis zweiwöchige Tragen eines straffenden Kopfverbandes Pflicht.

Es gibt auch einige nicht operative Methoden, welche zum Segelohren anlegen angewendet werden. Diese Methoden sind jedoch äußerst umstritten. Bei einer dieser Behandlungsmethoden werden die abstehenden Ohren geschient. Diese Methode muss innerhalb von drei Tagen nach der Geburt begonnen und weitere sechs Monate konsequent weitergeführt werden. Gegner diese Methode bestreiten den Erfolg der Methode und halten sie für Kinder nicht zumutbar. Alternativ können die Ohren auch mit einem speziellen Klammer oder einem speziellen Klebestreifen fixiert werden. Die Komplikationsrate dieser Methode soll jedoch hoch sein. Manche Menschen wählen verschiedene Kleber, um die Ohren hinten am Kopf anzukleben. Dabei sollten jedoch möglichst hautfreundliche Kleber verwendet werden. Mit dieser Methode ist natürlich nur ein temporärer Erfolg zu verzeichnen. Außerdem ist diese Position für die Ohren unnatürlich.